Arbeitsgemeinschaft der Oberstudiendirektorinnen und Oberstudiendirektoren

Resolution Jahrestagung

06.10.2011

Jahrestagung der AG der Oberstudiendirektorinnen und Oberstudiendirektoren in Rendsburg am 06.10.2011

Stellungnahme zu Aspekten der Bildungspolitik in Schleswig-Holstein

Die Arbeitsgemeinschaft zieht hinsichtlich des schulpolitischen Handelns der schwarz-gelben Landesregierung eine gemischte Bilanz. Sie unterstreicht die eingetretenen Verbesserungen für die Gymnasien und damit für die Bildung eines hoch qualifizierten Nachwuchses in unserem Bundesland. In allererster Linie ist die substanzielle Verbesserung der Lehrerversorgung inunserer Schulart zu nennen. Nach vielen Jahren einer politisch gewollten, systematischen und stetig wachsenden Schlechterstellung der Gymnasien undseiner Schülerrinnen und Schüler bei der Aufteilung der Planstellen auf die
Schularten ist unter dem derzeitigen Minister endlich wieder mehr erteilungsgerechtigkeit erreicht.

Ein großer Fortschritt in diesem Zusammenhang ist darin zu sehen, dass die im derzeit gültigen Personalzuweisungsverfahren umgesetzte Stellenverteilung auf die Schularten erstmals nach vergleichbaren und von allen Schulartverantwortlichen
akzeptierten Basisdaten erfolgt ist. Dieses Verfahren darf nicht wieder verloren gehen.

Im Sinne einer größtmöglichen Transparenz sollten die dabei angelegten Kriterien auf den Schulleiter- und Schulräte-Dienstversammlungen offen gelegt werden. Nurso ist die Anwendung eines gegenüber allen Schularten gerechten Verfahrens
unabhängig von den regierenden Parteien dauerhaft gewährleistet.

Darüber hinaus begrüßen wir die Umsetzung einer ganzen Reihe von angekündigten Verbesserungen, wie z.B. die Einbeziehung der Sachkompetenz vonSchulleiterinnen und Schulleitern Stufenleiterinnen und Stufenleitern sowie weiterer Funktionsträger bei der Erarbeitung von Reformvorhaben, die Schritte zur Stärkungder Position der Schulleiterinnen und Schulleiter in den Schulen, die vorgenommenen Korrekturen in der Profiloberstufe, die Einführung einer Anerkennungsregelung für den Realschulabschluss am Ende der Klasse 10 mit Übertragungstabelle, die in der Neufassung der Schulartverordnung der Gymnasienvorgenommenen Korrekturen, die Einführung der Leitungszeit im Bereich der Sekundarstufe I , die Abschaffung von EVIT zu Gunsten schulspezifischer Evaluationsverfahren der jeweils eigenverantwortlich handelnden Schule sowie wesentliche Elemente der Reform der Referendarausbildung.

Wir verhehlen nicht, dass die in unseren Schulen ausgetragene Debatte um G8 oder G9 uns in der Mehrheit sehr viel Kraft und Zeit gekostet hat, die wir Gewinn bringender hätten einsetzen können, befinden uns im Ergebnis allerdings jetzt auf sicherer und in der Regel selbst gewählter Basis. Auf dieser Grundlage muss in den künftigen Jahren eine Schulpolitik mit ruhiger Hand betrieben werden und den Schulen die Gelegenheit gegeben werden, in eine Phase der Konsolidierung und einer selbst bestimmten Weiterentwicklung einzutreten. Eine nochmalige Umwälzung der Schulstrukturen von außen ist denGymnasien nicht mehr zu vermitteln.

Um die Qualität der unterrichtlichen und pädagogischen Arbeit an unseren Schulen aufrecht zu erhalten und zu verbessern erheben wir insbesondere folgende Forderungen an die Politik:
• Investitionen in Bildung müssen eine Verbesserung der Planstellensituation in den Schulen beinhalten.
• Die Zahl der Pflichtstunden der Lehrkräfte ist zu hoch. Sie muss deutlichgesenkt werden.
• Das Zusammenführen von G8- und G9-Klassen erfordert in der besonders verwaltungsintensiven Oberstufe beginnend mit dem kommenden Schuljahrübergangsweise zusätzliche Leitungszeit für die Oberstufenleiterinnen und Oberstufenleiter.
• Beförderungen nach A14 sind ein wichtiger und wirksamer Leistungsanreiz, sofern sie regelmäßig ein Mal im Jahr in einer Größenordnung erfolgen, die eine reelle Chance auf Beförderung bietet.
• Schulleiterinnen und Schulleiter und ihre Stellvertreter benötigen die Möglichkeit, den Umfang des eigenen Unterrichtseinsatzes flexibel zugestalten.
• Der stetig zunehmende Trend, nicht besetzte Lehrerstellen durch den Einsatz von Erstexaminierten mit befristeten Stundenverträgen aufzufangen, kann auf Dauer nicht tatenlos hingenommen werden. Wo sich ihr Einsatz nicht
vermeiden lässt, bedarf es eines Ausgleichsstundenkontingents für deren Betreuer.
• Der Lehrerberuf muss für junge Menschen, insbesondere auch für junge Männer attraktiver werden. Es bedarf nicht nur einer höheren Wertschätzung des Berufes, sondern erfordert angesichts der Konkurrenzsituation in Zeitendes Lehrermangels auch die Angleichung der Bezüge an die der süddeutschen Bundesländer.
• Die Leitlinien für die Einstellung der Referendarinnen und Referendare sind am tatsächlichen Bedarf in den Schulen auszurichten. Hierzu ist erstens eine auf Fächer bezogene Bedarfsprognose zu erstellen. Zweitens bedarf es einer Veränderung der Kapazitätsverordnung (KapVO) in der Weise, dass künftig unabhängig von dem fachspezifisch sehr
unterschiedlichen Niveau der Erstexamensnoten in einer Bestenauslese von Fach zu Fach so viele Bewerber eingestellt werden, wie im betreffenden Fachbenötigt werden.
• Die Bedingungen in der Ausbildung der Seiteneinsteiger muss nachhaltig verbessert werden.
• Obwohl die terminliche Flexibilisierung der Einstellungsmöglichkeiten durch pB-on ein Fortschritt ist, muss das Personalreferat personell besser als bisher n die Lage versetzt werden, seine Aufgaben kompetent und zeitnah zu bewältigen. Das Einstellungsverfahren muss es in Mangelsituationenermöglichen, ggf. unmittelbare Einstellungszusagen zu geben.

Rendsburg, 06.10.2011

Hans-Walter Thee