Berufsverband der Lehrerinnen und Lehrer
an den Gymnasien in Schleswig-Holstein
Reformwut verunsichert Eltern, Lehrkräfte und Schüler und gefährdet die Qualität schulischer Arbeit!
Siegmon: "Gymnasium ein Fels in der Brandung!"
Gegen die seit zwei Jahrzehnten in den Bundesländern grassierende Reformwut und die damit verbundenen undurchdachten und teilweise kurzfristigen Veränderungen macht der Philologenverband Schleswig-Holstein massiv Front. Anlässlich des P h v - Jahreskongresses 2011 in Rendsburg erklärte der Vorsitzende des Verbandes, Helmut Siegmon: „Die Ankündigung der Landtagsopposition, die jüngste Schulgesetznovellierung im Falle einer Regierungsübernahme wieder zu kippen, ist ein Verfall politischer Kultur!" Siegmon warnte als Vertreter der Lehrer an Gymnasien Sozialdemokraten, Grüne und die Linke, sich an dieser Schulart zu vergreifen, sie zu einer Rumpfschule (Klasse 7 bis Klasse 12) verkommen zu lassen oder der Stufenschule zu opfern. „Die Wut der sonst doch so hanseatisch moderaten Hamburger Bevölkerung sollte uns allen eine Lehre sein! Dass diese Wut dann in eine plebiszitäre Entscheidung führte, die das Gymnasium in dem Stadtstaat rettete und die ideologisch begründete Primarschule nach grünem Muster gar nicht erst entstehen ließ, sollte als Warnschuss gesehen werden." Siegmon zeigte sich sicher, dass die schleswig-holsteinische C D U sich in Koalitionsverhandlungen auf derartige Veränderungen in der Schulstruktur gar nicht einließe und vernünftige Kreise in der S P D um ihren Spitzenkandidaten Albig die Hamburger Botschaft auch begriffen hätten.
Siegmon wie der Festredner der Veranstaltung, der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, betonten, dass trotz aller Gefahren und Anfeindungen die Schulart Gymnasium stark und erfolgreich sei: stark, weil sie allen Zumutungen des Zeitgeistes tapfer widerstanden habe und staatliche Reformversuche „nur mit gebremstem Schaum in die gymnasialen Klassenzimmer gelangt seien", und erfolgreich, weil das Gymnasium nicht nur die beliebteste Schulart sei, sondern auch zu einem Abschluss führe, der über die Jahrzehnte kaum an Qualität eingebüßt habe.
Dem seit Monaten in der Kritik stehenden Bildungsminister Dr. Ekkehard Klug attestierte der Verband trotz einiger administrativen Versäumnisse und Fehler und trotz der „für uns Lehrkräfte erneuten Arbeitszeiterhöhung" richtige bildungspolitische Überzeugungen und an der schulischen Realität orientierte vernünftige Entscheidungen. Dazu zähle etwa der Verzicht auf unnötige Prüfungen und Regularien (Mittlerer Schulabschluss am Gymnasium, „Schul-T Ü V EVIT) und Entlastungsmaßnahmen wie die Reduzierung der Zahl der Klassenarbeiten und die Wiedereinführung der Altersermäßigung für Lehrkräfte. „Wir wissen, dass wir es bei Dr. Klug mit einem überzeugten Anhänger des gegliederten Schulwesens zu tun haben", hob Siegmon hervor, der es auch begrüßte, dass der Minister Schulen Freiräume verschafft habe. Positiv zu bewerten sei auch die den Gemeinschaftsschulen eingeräumte Möglichkeit, abschlussbezogene Klassen und homogene Lerngruppen einzuführen. „Die Gymnasien müssen auch ein Interesse haben, dass es neben unserer Schulart starke und leistungsorientierte Schulen für Kinder mit anderen Begabungen und weniger theoretischem Anspruch gibt", betonte Siegmon.
In der noch immer anhaltenden, aber doch allmählich abklingenden Debatte um die Schulzeit an den Gymnasien unterstützt der Verband weiterhin die den Schulen im Koalitionsvertrag von C D U und F D P vorgesehene M ö g l i c h k e i t, zum neunjährigen gymnasialen Bildungsgang zurückzukehren, „wir nehmen aber zur Kenntnis, dass eine überwältigende Mehrheit der schleswig-holsteinischen Gymnasien beim achtjährigen Bildungsgang bleiben möchte, weil G 8 weder für die meisten Schüler und Eltern noch für die Pädagogen ein Schreckgespenst ist und weil die Schulen die curricularen Vorbereitungen für G 8 längst abgeschlossen haben", betonte Siegmon, der der Frage der gymnasialen Schulzeit keine grundsätzliche, ideologische Bedeutung zusprach.
Der Jahreskongress forderte von Landtag und Landesregierung deutliche Verbesserungen in der Versorgung der Lehrkräfte und bei der Fürsorge des Dienstherrn. Vorrang hat die Wiedereinführung der Möglichkeit der Alterszeit, für die sich der Verband - gemeinsam mit seiner Dachorganisation D B B - massiv einsetzt. Deutliche Kritik wurde an den verschärften Beihilferegelungen im Krankheitsfall laut: Der Eigenbehalt, d. h. die von aktiven Lehrkräften und von Pensionären selbst zu entrichtenden Beträge, ist kürzlich erhöht worden, worin der P h v eine Vernachlässigung der Fürsorgepflicht und des Alimentationsprinzips sieht. Zudem mahnt der Verband eine großzügigere Beförderungsregelung an, „damit der Lehrerberuf attraktiv bleibt und tüchtige junge Kollegen nicht Schleswig-Holstein verlassen", forderte Siegmon.
S i e g m o n T e t z l o f f
(1. Vorsitzender) (Pressesprecher)