Berufsverband der Lehrerinnen und Lehrer
an den Gymnasien in Schleswig-Holstein
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir, die unter dem Dach des dbb organisierten Lehrerverbände, sind uns mit der GEW einig, dass die kalte Erhöhung der Pflichtstundenzahl, die besonders massiv mit über 4% die Kolleginnen und Kollegen an den Berufsschulen und an den Gymnasien trifft, ein Affront gegen alle Lehrerinnen und Lehrer im Lande ist, ein Affront und ein Vertrauensbruch, wie wir ihn selten erlebt haben.
Über Jahre hat es unzählige direkte und versteckte Pflichtstundenerhöhungen, Einkommenskürzungen, Arbeitsverdichtungen und Beförderungsbremsen im Gegenwert von mindestens 25% in der ach so berühmten Salamitaktik gegeben. Das Ende der Fahnenstange war schon mehrfach erreicht. Wir Lehrerinnen und Lehrer haben der Kinder wegen das zu oft zähneknirschend hingenommen. Das Fass ist übergelaufen! Die Verantwortlichen hätten das vorhersehen können.

Aber sie, die Verantwortlichen, haben phantasielos zum wiederholten Male die Bediensteten im öffentlichen Dienst, die Beamtinnen und Beamten, die Lehrerinnen und Lehrer als scheinbar bequeme Sparschweine missbraucht. Mit der Haltung kann man keinen Staat machen!
Wir wollen nicht die Kosten einer jahrzehntelang verfehlten Haushaltspolitik bezahlen, in der immer wieder ideologische bildungspolitische Luftschlösser unglaubliche Haushaltslöcher reißen.
Bildung, Bildung tönen und denjenigen, die Bildung vermitteln, uns Lehrerinnen und Lehrer mal eben eine Unterrichtsstunde mehr pro Woche aufbrummen, neben all den anderen bürokratischen und unterrichtsfremden Zusatzaufgaben, vermittelt uns das Gefühl der Geringschätzung und untergräbt unser berufliches Selbstwertgefühl.
Die Erhöhung der Pflichtstundenzahl, so kann ich das jedenfalls für die Gymnasien sagen, ist ein ruinöser Anschlag gegen die Unterrichtsqualität.
Die Erhöhung der Pflichtstundenzahl sehen wir auch als einen Anschlag gegen unsere Gesundheit und in dem Zusammenhang als eine grobe Verletzung der Fürsorgepflicht, zumal Arbeitsmediziner gerade für Lehrkräfte mit der Arbeitsverdichtung und pädagogischen Rastlosigkeit ein immer stärkeres Anwachsen der Burnoutgefährdung feststellen.
Ich sage voraus, dass die Erhöhung der Pflichtstundenzahl ohne deutliche und sachgerechte Entlastung am Ende dem Bildungsminister weniger Unterricht bringt. Der kluge Bauer weiß, dass er seine Kuh nicht tot melken darf.
Zeitgleich mit dem Auslaufen der Vorgriffsstunde die Pflichtstundenzahl zu erhöhen, empfinden wir als einen schweren Vertrauensbruch.
Und, die Erhöhung mit der Orientierung an einem ominösen Bundesdurchschnitt zu begründen, finden wir zynisch, weil in anderen Bundesländern ganz andere Ermäßigungen und Geld-werte Anrechnungstatbestände gelten und mal wieder in unzulässiger Weise Äpfel mit Birnen verglichen werden.
Stattdessen verlangen wir eine Bewertung, die sich an den tatsächlichen Aufgaben- und Belastungen orientiert und eine Unterrichtsmenge, mit der wir zum Wohle der Kinder gute Schule machen können! Mit dem, was jetzt gilt – das kann ich jedenfalls für die Gymnasien sagen -, ist auf Dauer der so viel beschworene hohe Anspruch des Unterrichts gerade auch in der Oberstufe für uns Lehrkräfte nicht mehr durchzuhalten – zum Schaden der Schülerinnen und Schüler. Diese Ansicht teilen auch die Eltern, die sich mittlerweile zurecht auch Sorgen um die Lehrerinnen und Lehrer ihrer Kinder machen!
Wir werden uns nicht damit abfinden, als Stundengeber missbraucht zu werden, die rastlos mit schlechtem Gewissen herumlaufen, weil die Unterrichtsstunden nicht mehr nachhaltig und zur Stärkung der eigenen Berufszufriedenheit ausreichend vor- und nachgearbeitet werden können und daneben die unendlich vielen anderen Aufgaben unter Stress zwischen Tür und Angel erledigen müssen.
Wir verlangen eine Rücknahme der Pflichtstundenerhöhung - in welcher Form auch immer!